Online-Vortrag beim DBL e.V.: IT-Forensiker Emanuel Lonz zeigt 55 Logopädinnen und Logopäden, wie verwundbar ihre Praxen sind – mit Live-Befunden aus 40 teilnehmenden Praxen
Landau/online, 20. Oktober 2026 – Cyberkriminalität trifft längst nicht mehr nur Konzerne und Kliniken. Wie es um die IT-Sicherheit logopädischer Praxen steht, hat Emanuel Lonz, Geschäftsführer von Computersysteme Lonz (CSLonz) und IT-Forensiker, am Dienstagabend in einem Online-Vortrag für den Deutschen Bundesverband für Logopädie (DBL e.V.) gezeigt. Unter dem Titel „Wie Cyberangriffe die Praxis gefährden – und wie wir uns leicht und wirksam schützen können" verfolgten 55 Teilnehmerinnen und Teilnehmer den 45-minütigen Vortrag mit anschließender Fragerunde. Organisiert hatte den Abend Helga Budde vom DBL, moderiert wurde er von Claudia Thielen.
„Cyberkriminalität trifft längst nicht mehr nur Großunternehmen, sondern auch unsere logopädischen Praxen", sagte Thielen zur Eröffnung.
Lonz stieg mit einer Modellrechnung ein: Eine durchschnittliche logopädische Praxis mit rund 1.200 Patientenakten kann ein einziger Cyberangriff mit fünf Tagen Ausfall rund 675.100 Euro kosten. Den größten Posten machen nicht Forensik, Reparatur oder Anwaltskosten aus, sondern Schmerzensgeldansprüche der Betroffenen. Grundlage ist die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, nach der bereits der immaterielle Schaden durch den Verlust von Gesundheitsdaten zu ersetzen ist. Die Zahl sei nicht aus der Luft gegriffen, so Lonz: Eine größere Berliner Logopädiepraxis habe Anfang des Jahres genau diese Menge an Patientendaten verloren – und den Angriff zwei Monate lang nicht bemerkt. Das Verfahren schwebt, der Schaden ist immens.
„Auch logopädische Daten sind Gesundheitsdaten", betonte Lonz. Wer sie verarbeite, unterliege den strengen Anforderungen von Artikel 9 der Datenschutz-Grundverordnung. Sein wichtigster Satz des Abends: „Sie müssen kein Ziel sein, um Opfer zu werden." Angriffe kosteten heute nahezu nichts mehr; automatisierte Werkzeuge suchten nach Schwachstellen, nicht nach Namen. Das Argument „Wir sind doch viel zu klein" sei deshalb genau der Grund, warum kleine Betriebe getroffen würden.
Im Mittelpunkt standen Befunde, die Lonz vorab aus öffentlich zugänglichen Quellen erhoben hatte. 40 der teilnehmenden Praxen hatten einer Prüfung ihrer Webseiten zugestimmt; gezeigt wurden die Ergebnisse ausschließlich anonym und als Summen:
Sein Fazit: „Von 40 Praxen ist keine einzige rundum gut aufgestellt." Das sei ausdrücklich kein Vorwurf, sondern ein Abbild der gesamten Berufsgruppe. „Ihr Job ist nicht die IT-Sicherheit. Wenn ich einen Logopäden brauche, gehe ich zum Logopäden – und mit der IT ist es genauso."
Anschaulich wurde Lonz bei typischen Alltagsfehlern. Am Beispiel eines Pfälzer Weinguts schilderte er, wie ein einziges mehrfach genutztes Passwort zum Verlust von Social-Media-Konten, Domain und E-Mail-Postfach führte. Sein Rat: für jeden Dienst ein eigenes, mindestens 16 Zeichen langes Passwort, verwaltet in einem Passwort-Tresor, dazu Zwei-Faktor-Authentifizierung wo immer möglich.
Deutlich warnte er vor Netzwerkspeichern (NAS) als vermeintlichem Backup: Sie hängen dauerhaft im Praxisnetz und werden bei einem Angriff mitverschlüsselt. Sicher seien nur unveränderliche Backups („Immutable Backups"). Auch Praxissoftware in der Cloud schütze nicht, solange Rechner, Netzwerk und Zugänge in der Praxis selbst ungesichert seien. Und ein USB-Stick, den ein Patient mit einer Sprachübung aus dem Urlaub mitbrachte, habe schon eine ganze Praxis lahmgelegt. Ohne geschützte USB-Ports hilft dann auch die Verteidigung nach außen nichts.
Zum Abschluss stellte Lonz einen Soll-Zustand in acht Punkten vor: abgesicherte E-Mail, Passwörter im Tresor, echte Backups, Sicherheitsüberwachung rund um die Uhr, Microsoft 365 mit Rechenzentren in Deutschland, ein geschultes Team, eine saubere DSGVO-Umsetzung und verlässliche Unterstützung im Tagesgeschäft. Besonders die 24-Stunden-Überwachung sei für Gesundheitsbetriebe aus seiner Sicht Pflicht: „Hackerangriffe kennen keine Uhrzeiten."
In der Fragerunde ging es unter anderem um die Sicherheit von Apple-Geräten, um Praxis-Backups, die per VPN auf private Rechner kopiert werden, um die Abhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Anbietern und um die datenschutzkonforme Einbindung von Google Maps. Weitere Fragen beantworten Lonz und sein Team im Nachgang persönlich. Die Teilnehmenden erhalten von der DBL-Geschäftsstelle zusätzlich ein Handout mit den wichtigsten Punkten.
Dass der Abend trotz geschlossenem Chat und vollem Programm reibungslos lief, ist Helga Budde und Claudia Thielen zu verdanken: Budde hatte die Veranstaltung auf Seiten des DBL vorbereitet, Thielen führte durch Vortrag und Fragerunde und rief die Wortmeldungen der Reihe nach auf. „Ein wahnsinnig spannender und vollgepackter Vortrag", fasste sie zum Schluss zusammen.
Computersysteme Lonz (CSLonz) mit Sitz in Landau in der Pfalz betreut Praxen und Betriebe aus dem medizinisch-therapeutischen Bereich im deutschsprachigen Raum – von der Logopädie über Physio- und Ergotherapie und die Hörakustik bis zur Zahnmedizin – in IT-Sicherheit und im IT-Tagesgeschäft. Geschäftsführer Emanuel Lonz ist IT-Forensiker und erstellt Gutachten nach Cyberangriffen.
(Bild KI-generiert)